Panikmache zu Modernas Coronavirus-mRNA-Impfstoff

Nein, uns drohen keine 1,5 Mrd. schwere Erkrankungen durch den derzeit getesteten SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoff des US-Biotech-Unternehmens Moderna.

Der Titel des Beitrags von Impfgegner Hans U. P. Tolzin auf seiner Plattform impfkritik.de lässt Schlimmes vermuten: „Corona: 1,5 Mrd. schwere Erkrankungen durch neuen Gates-Impfstoff?“ Darunter fasst er kurz zusammen: „Die ersten überhasteten klinischen Versuche von Anthony Fauci und Bill Gates mit einem Corona-Impfstoff endeten katastrophal: Drei von 15 völlig gesunden Versuchspersonen (=20 %) erlitten schwere Nebenwirkungen. Doch die meisten Studiendaten werden bisher zurückgehalten.“ Was ist dran an dieser Aussage? Ich habe mir das mal genauer angeschaut.

Im Prinzip gibt Tolzin kurz auf Deutsch wieder, was Robert F. Kennedy Jr. bereits auf seiner Internetseite childrenshealthdefense.org verbreitet. Kennedy bezieht sich hierbei auf eine Pressemitteilung der Firma Moderna, welche den genannten mRNA-Impfstoff entwickelt und derzeit in einer klinischen Phase-1-Studie an insgesamt 45 gesunden Probanden testet. In der Pressemitteilung resümiert Moderna die ersten ZWISCHENERGEBNISSE (!) ihrer Studie.

Studiendesign und weshalb noch Daten fehlen

In der genannten Phase-1-Studie soll zunächst in 3 Gruppen von je 15 Probanden verschiedene Dosierungen (25, 100, 250 µg) des Impfstoffs mRNA-1273 im Hinblick auf dessen klinische Sicherheit und Immunogenität überprüft werden. Die Studienteilnehmer erhalten 2 Impfdosen im Abstand von 28 Tagen und sollen schließlich über ein Jahr lang nachverfolgt werden.

Um eine größere Sicherheit für die Probanden zu gewährleisten, werden diese in aufsteigender Dosierung an mehreren Tagen verteilt geimpft. Beispielsweise erhalten die ersten 4 Probanden an Tag 1 eine Dosierung von 25µg, am nächsten Tag die nächsten 4 Probanden usw. Wenn die niedrigste Dosierung gut vertragen wird, wird die Dosierung für die nächsten 15 Probanden auf 100 µg gesteigert und schließlich auf 250 µg.

Mit dieser Dosissteigerung soll unter anderem getestet werden, bei welcher Dosierung bereits ausreichend Antikörper gebildet werden, der Impfstoff in Bezug auf die Nebenwirkungen aber noch sicher ist.

Da die Probanden erst nach und nach die Impfdosen erhalten, ergibt sich, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pressemitteilung noch nicht alle Daten für alle Teilnehmer vorliegen. So fehlen laut Moderna noch Daten zur Immunogenität in der 250-µg-Gruppe nach der zweiten Injektion, sowie zu Bindungsantikörpern für einen Teil und zu Neutralisierungsantikörpern für einen Großteil der Probanden. Bei der Pressemitteilung handelt es sich – wie oben bereits erwähnt – ausschließlich um einen Zwischenbericht zu den ersten Ergebnissen. Wie sinnvoll es ist, diese bereits herauszugeben, bevor alle Daten vorhanden sind, darüber ließe sich sicherlich streiten. Dies hat jedoch nichts mit dem „zurückhalten von den meisten Studiendaten“ zu tun, wie von Tolzin behauptet.

Diese unerwünschten Ereignisse traten auf

Kommen wir zum Knackpunkt der Meldung, zu den möglichen „1,5 Mrd. schweren Erkrankungen“ die uns angeblich durch den Impfstoff drohen. Natürlich werden mögliche Nebenwirkungen bei allen Probanden in der Studie genau beobachtet und dokumentiert. Moderna gibt an, dass in den niedrig- und mittel-dosierten Gruppen (25 und 100 µg) nur bei einem Probanden ein unerwünschtes Ereignis festgestellt wurde, nämlich eine Hautrötung (Erythem Grad 3) an der Einstichstelle.

Nun die alles entscheidende Aussage: „To date, the most notable adverse events were seen at the 250 µg dose level, comprising three participants with grade 3 systemic symptoms, only following the second dose. All adverse events have been transient and self-resolving. No grade 4 adverse events or serious adverse events have been reported.“

Demnach traten bei drei der 15 Probanden in der Hochdosisgruppe nach der zweiten Injektion systemische Symptome des Grades 3 auf. Worum es sich dabei genau handelt, wird nicht näher spezifiziert, es wird allerdings angegeben, dass es sich um kurzfristige Symptome handelte, die von selbst wieder abgeklungen sind. Es könnte sich hierbei beispielsweise um ein leichtes Fieber mit Abgeschlagenheit handeln, wie es auch nach einer Grippe-Impfung auftreten kann. Genaueres wird man erfahren, sobald die Studie abgeschlossen und veröffentlicht ist.

Irreführende Hochrechnung

Auf wirklich „schwere Erkrankungen“, wie Tolzin berichtet, ist jedenfalls nicht zu schließen. Und es stimmt zwar, dass 20 Prozent der Probanden in der Hochdosisgruppe nach der zweiten Injektion kurzzeitig systemische Symptome aufwiesen, jedoch sind dem Unternehmen zufolge weitergehende Phase-2-Studien ausschließlich in den Dosierungen 50 und 100 µg geplant, in denen es bislang zu keinerlei systemischen Symptomen kam.

Man kann sich natürlich nur auf die 20 Prozent Nebenwirkungen in der Hochdosisgruppe konzentrieren, von diesen auf die gesamte Weltbevölkerung hochrechnen und somit eine abstruse Zahl von 1,5 Mrd. „schweren Erkrankungen“ konstruieren. Aber niemand hat vor (sollte der Impfstoff überhaupt zugelassen werden) eine hochdosierte Impfung zu verwenden. Mal davon abgesehen, dass eine Impfung mit einem solchen Nebenwirkungspotenzial niemals zugelassen werden würde.

Dieses Beispiel verdeutlicht sehr eindrucksvoll, wie aus dem Zusammenhang gerissene Zahlen zusammen mit einer gehörigen Portion Übertreibung verwendet werden können, um unbegründete Ängste in der Bevölkerung zu schüren.

Darum lasst euch kein X für ein U vormachen.

Nothing beats facts!

Eure Mrs. Eluhut

 

P.S. Gerne dürft ihr zur Aufklärung beitragen und diesen Artikel teilen!

 

Weiterführende Links:

Ärzteblatt: SARS-CoV-2: Erste Impfstoff-Studie hat in den USA begonnen

Handelsblatt: Corona-Impfstoff von US-Firma zeigt erste Erfolge