Leugnen ist keine Lösung

Ja, Corona ist scheiße. Wir wünschen uns alle den Zustand vor Corona zurück. Auch ich möchte meinen normalen Alltag wieder haben. Keiner weiß so recht was die nächsten Monate bringen werden und das macht uns allen Angst. Aber Leugnen ist keine Lösung!

Haben wir nach den Sommerferien ein geeignetes Konzept für Schulen und Kitas? Wie soll es überhaupt im Herbst weitergehen, wenn die normale Erkältungssaison startet? Gehen wir dann alle zwei Wochen zum Coronatest? Wie lange bleiben Großveranstaltungen untersagt? Wie stark wird sich die entstandene Wirtschaftskrise auf uns auswirken? Wird es jemals einen geeigneten und sicheren Impfstoff geben?

Es gibt viele offene Fragen. Für die meisten von uns schien die nahe Zukunft noch nie so unsicher wie derzeit. Wir verspüren Kontrollverlust. Und dieser Zustand ist für uns nur schwer erträglich. Bei vielen von uns ist diese diffuse Angst vermutlich schwerwiegender als die Angst vor den gesundheitlichen Konsequenzen des Virus. Die wirtschaftlichen Folgen scheinen allerdings weit realer.

Im Mai 2020 waren mindestens 7,3 Millionen Beschäftigte in Deutschland von Kurzarbeit betroffen (Quelle). Im Vergleich dazu liegen die bekannten Infektionszahlen mit SARS-CoV-2 in Deutschland bislang bei “nur” rund 200.000 (Stand 13.07.2020). Von diesen wurden nach RKI-Angaben etwa 30.000 hospitalisiert und ca. 9000 verstarben. Dementsprechend ist derzeit die Wahrscheinlichkeit wirtschaftlich betroffen zu sein um ein Vielfaches höher als jemanden zu kennen, der schwer an COVID-19 erkrankt war oder ist. Italienische Schreckensszenarien von überfüllten Krankenhäusern haben sich aufgrund frühzeitiger Maßnahmen in Deutschland erfreulicherweise nicht eingestellt.

Vor diesem Hintergrund ist es jedoch verständlich, dass sich viele Menschen fragen, ob die Konsequenzen nicht folgenschwerer als die Ursprungsbedrohung sind. Die Komplexität der derzeitigen Situation scheint mit steigendem Erkenntnisgewinn zudem nur noch unübersichtlicher zu werden. Täglich erreichen uns zig neue Meldungen zum Thema. Seien es neue, sich teilweise widersprechende Studiendaten, unterschiedliche Vorgehensweisen und Resultate in den verschiedenen Ländern oder sich anbahnende globale Katastrophen, wie die Verschärfung der weltweiten Hungerkrise durch das Coronavirus.

Bei so viel Unsicherheit ist die Zuflucht zu Corona-Leugnern und Populisten nur allzu nachvollziehbar. Sie liefern ein greifbares Feindbild (Regierung, Pharmaindustrie, Mainstream Medien, Bill Gates, Drosten, etc.) und vereinfachen eine hoch komplexe Situation (Corona existiert nicht). Die Beteiligung an Demonstrationen verhindert das Gefühl der Ohnmacht. Menschen werden politisch. Der Eintritt in eine windige Partei gibt einem das Gefühl der Mitbestimmung.

Wo endet das alles? Populisten sind keine Lösung, wie die USA und Brasilien verdeutlichen. Leugnen ist keine Lösung, wie die USA und Brasilien verdeutlichen. Leugnen tötet Menschen, wie die USA und Brasilien verdeutlichen.

Ja, Corona bringt ein ganzes Füllhorn von Konsequenzen mit sich. Es zeigt uns die Schwächen unserer Gesellschaft auf. Doch anstatt sich davor zu verstecken wie ein kleines Kind, dass sich mitten im Raum die Augen zuhält und meint es wäre verschwunden, sollten wir diese Schwierigkeiten eine nach der anderen angehen. Das unmittelbarste Problem stellte die konkrete Bedrohung von Menschenleben durch das Virus dar. In dieser Hinsicht befinden wir uns in Deutschland derzeit auf einem guten Kurs. Nun können wir also die vielen sekundären Bedrohungen in Angriff nehmen. Stärkung der Wirtschaft, Digitalisierung, Klimaschutz (!), Entwicklungshilfe usw.

Ja, wir werden sicherlich noch ein paar schwere Monate, möglicherweise auch Jahre vor uns haben. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, könnten wir versuchen reale Probleme zu lösen und gestärkt aus der Krise hervor zu gehen. Ihr arbeitet im Gesundheitswesen und seht Verbesserungspotential? Tut euch mit anderen Pflegern zusammen und macht darauf aufmerksam! Ihr wollt das deutsche Bildungswesen revolutionieren? Sucht euch Lehrer und Eltern, mit denen ihr Konzepte erarbeiten könnt. Ihr wollt hungernden Menschen helfen? Sammelt spenden oder macht euch für das Klima stark! Ihr wollt gegen Rassismus vorgehen? Versucht euch Gehör zu verschaffen! Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, ein Umdenken bei vielen Menschen zu bewirken. Wir leben in einer turbulenten Zeit, lasst sie uns für etwas Sinnvolles nutzen und nicht für das Schüren von Unmut, Misstrauen und Hass. Vielleicht kann dieser Blog ein klein wenig dazu beitragen.

Nothing beats Facts!

Eure Mrs. Eluhut